Figuren-Netzwerk: dein Ensemble auf einen Blick
Sieh, wer wen kennt, wer mit wem auf der Bühne steht und welche Figur dir gerade aus dem Roman entgleitet. Das Ensemble deines Romans als Graph, Matrix oder Liste — gespeist aus deinen Szenen, ohne dass du etwas taggen musst.
Inhalt

Wer war nochmal Marcus?
Du sitzt an Kapitel 18. Eine deiner Nebenfiguren — der ehemalige Kollege der Hauptfigur — taucht in deinem Kopf auf. Du willst ihn in dieser Szene erwähnen lassen. Aber wie hieß der nochmal? Marcus, glaubst du. Oder Markus mit K? Und wann hattest du ihn das letzte Mal in einer Szene? Kapitel 4? Kapitel 9?
Du suchst. Du findest seine Szene in Kapitel 4. Da ist er — Marcus, mit C. Du denkst nach. Wann hat er die Bühne verlassen? Stimmt der Konflikt, den du in Kapitel 4 angelegt hast, noch mit deinem Plan überein?
Das alles ist Detektivarbeit. Und sie passiert nicht einmal — sie passiert pro Nebenfigur, pro Subhandlung, pro Wiedereinstieg in den Roman. Bei einem Ensemble von zehn, fünfzehn, fünfundzwanzig Figuren ist das eine kleine Vollzeit-Beschäftigung neben dem eigentlichen Schreiben.
Das Figuren-Netzwerk in Novumdraft löst diese Detektivarbeit auf. Es zeigt dir dein Ensemble auf einen Blick — wer auf welcher Bühne stand, wer wen kennt, wer schon zu lange weg ist.
Was du im Netzwerk siehst
Drei Ansichten desselben Ensembles, je nachdem, was du gerade brauchst:
Netzwerk — als Graph
Jede Figur ist ein Knoten. Knotengröße signalisiert, wie oft die Figur auftaucht: kleiner Knoten = unter drei Szenen, mittlerer = drei bis neun, großer = zehn oder mehr. POV-Figuren sind besonders markiert (mit der Anzahl POV-Szenen).
Verbindungen zwischen den Knoten kommen aus zwei Quellen:
- Beziehungen, die du selbst angelegt hast — Familie (lila, gestrichelt), romantische Beziehung (rosa, animiert), Freundschaft (durchgehend), Feindschaft (rot, animiert), Mentor:in (türkis, gepunktet), Rivalin (orange, gestrichelt), oder einfach "andere".
- Gemeinsame Szenen-Auftritte — eine schwächere, graue Linie zwischen Figuren, die mindestens drei Szenen miteinander teilen. Die Linie ist dicker, je öfter sie zusammen auf der Bühne stehen.
Du kannst jeden Knoten mit der Maus packen und anders anordnen — die Position bleibt dauerhaft gespeichert. Wenn dir das automatische Layout nicht passt, ziehst du dein Ensemble in die Form, in der du es im Kopf hast.
Matrix — als Tabelle
Eine Tabelle, in der Zeilen und Spalten beide deine Figuren sind. Jede Zelle zeigt: wie viele Szenen teilen sich diese beiden Figuren. Die Diagonale zeigt die Gesamt-Szenenzahl pro Figur. Zellen sind heller oder dunkler, je nach Häufigkeit.
Diese Ansicht ist wertvoll, wenn du Fragen hast wie: "Welche zwei Nebenfiguren tauchen am häufigsten zusammen auf?" oder "Habe ich Anna und Bob jemals direkt zusammen?"
Liste — durchsuchbar
Klassisch, mit Filter, Sortierung, Notizen pro Eintrag. Wenn du gerade nicht visuell denken willst und einfach nur nach einer Figur suchst — Liste.
Was automatisch passiert (und was nicht)
Hier ist die wichtigste Eigenschaft: Du musst keine Beziehungen taggen, um das Netzwerk zu füllen.
Sobald du im Manuskript einen Figurennamen erwähnst, der im Codex existiert, wird er als anwesend in dieser Szene erfasst. Drei oder mehr gemeinsame Szenen-Auftritte → eine graue Linie im Netzwerk. Du tippst, die Verbindungen entstehen.
Was du selbst anlegen musst: explizite, benannte Beziehungen. Wenn Anna und Bob Geschwister sind, ist das eine Information, die in keinem Text steht — du fügst die Beziehung im Netzwerk hinzu (rechtsklick auf Anna, "Beziehung zu …", wähle Bob, wähle "Familie"). Die Beziehung erscheint als farbige Verbindung.
Was du nicht selbst pflegen musst: das Wissen, dass Anna und Bob in 23 Szenen zusammen auf der Bühne standen. Das errechnet das Netzwerk aus dem Manuskript.
Beziehungstypen
Sieben Typen stehen zur Auswahl — jeder mit einer eigenen visuellen Signatur:
- Familie: Blut, Heirat, Wahlfamilie. Für Großeltern, Geschwister, Adoptierte, Stiefkinder.
- Romantisch: Geliebte, Ex-Partner:innen, Wird-er-sie-doch-noch-verlieben-Konstellationen.
- Freundschaft: enge Freund:innen, Vertraute, Komplizinnen.
- Feindschaft: Antagonist:in, Konkurrentin, eine Person mit ungelöster Rechnung.
- Mentor:in: Lehrerin, weise Person, alte Hand. Auch in der umgekehrten Richtung — die Figur, der die Hauptfigur etwas beibringt.
- Rivalin: weniger als Feindschaft, mehr als Konkurrenz. Beide ringen um dasselbe — Aufmerksamkeit, Anerkennung, eine bestimmte Position.
- Andere: für alles, was nicht in diese sechs Kategorien passt.
Pro Beziehung kannst du eine kurze Beschriftung hinzufügen ("entfremdeter Bruder"), eine Notiz mit Hintergrund ("verfeindet seit dem Diebstahl in Kapitel 7"). Die Beziehung erscheint dann mit dem Label am Knoten — das Netzwerk wird zu einer Art lebendiger Familienbaum-und-Konflikt-Karte deines Ensembles.
Drei Insights, die du sonst nicht hast
Das Netzwerk berechnet im Hintergrund drei Kennzahlen, die in keinem anderen Schreibwerkzeug existieren:
POV-Balance
Eine horizontale Leiste, die zeigt: aus wessen Perspektive ist dein Roman geschrieben? In Prozent. Du siehst sofort: 62 % aus Annas POV, 28 % aus Bobs, 10 % aus auktorialer Erzählhaltung. Wenn du dir vorgenommen hattest, fünfzig-fünfzig zu schreiben — du siehst, dass du nicht da bist, bevor du das Manuskript zur Hälfte fertig hast und es nicht mehr zu retten ist.
Silent Stretches
Welche Figuren waren in den letzten N Szenen nicht da? Konkret: für jede Figur mit mindestens drei Auftritten zeigt das Netzwerk die größte Lücke zwischen zwei aufeinanderfolgenden Auftritten. Die Top drei werden hervorgehoben.
Das ist die Antwort auf "Wer ist mir aus dem Roman entglitten?". Marcus, der in Kapitel 4 mit einem Konflikt eingeführt wurde und seitdem nicht mehr aufgetaucht ist — Silent Stretches zeigt: 14 Kapitel ohne Anwesenheit. Du schaust hin und entscheidest: hole ich Marcus zurück, oder cutte ich seine Einführung?
Lonely Characters
Figuren, die mit niemandem in einer Szene stehen. Die Top fünf werden gelistet. Manchmal sind das Walk-on-Charaktere (der Briefträger, die Kassiererin) — die sollen einsam sein. Manchmal sind das Nebenfiguren, die du eigentlich in Beziehung zur Hauptfigur stellen wolltest, aber nie wirklich verflochten hast. Die Liste ist gnadenlos: sie zeigt dir, wer im Roman in einem eigenen Vakuum steht.
Klick auf eine Figur: das Dossier
Wenn du auf einen Knoten klickst, öffnet sich rechts eine Seite mit allem, was zu dieser Figur bekannt ist:
- Erwähnungen: alle Szenen mit dieser Figur, gruppiert nach Kapitel. Direkt anklickbar — du springst in die Szene und kannst sie editieren.
- Beschreibung: Aliase, Tags, Notizen aus dem Codex.
- Recherche: Material, Links, Referenzen, die du gesammelt hast.
- Beziehungen: alle expliziten Beziehungen plus eine Liste der "Co-Stars" — Figuren, mit denen diese Figur am häufigsten auf der Bühne steht.
- Tracking: figurenspezifische Einstellungen, etwa "diese Figur ist nur als POV relevant" oder "von der Auswertung ausschließen".
Das ist die Akte deiner Figur — und sie aktualisiert sich automatisch, während du schreibst.
Drei Momente, in denen das Netzwerk wertvoll ist
Damit das nicht abstrakt bleibt — drei typische Situationen aus dem Schreiballtag:
"Ich habe das Gefühl, eine Figur ist mir entglitten."
Du öffnest das Netzwerk. Silent Stretches sagt dir: Marcus, 14 Kapitel ohne Auftritt. Du klickst auf Marcus, das Dossier öffnet sich. Du siehst seine letzte Szene, Kapitel 4. Du liest sie nochmal. Du entscheidest: Marcus kommt in Kapitel 19 zurück. Du machst eine Notiz im Dossier "kommt in Kapitel 19 wieder, mit der Auflösung des Konflikts aus Kapitel 4". Du schreibst weiter. Marcus ist nicht mehr verloren.
"Ich schreibe zu viel aus einer Perspektive."
POV-Balance zeigt: 70 % Anna. Du wolltest 50/50. Du gehst zur Liste der POV-Figuren und schaust dir an, wer in Akt 2 hätte mehr POV-Szenen bekommen sollen. Du planst zwei zusätzliche Bob-Kapitel ein, bevor du in Akt 3 weiterschreibst.
"Ich habe das Gefühl, mein Antagonist ist zu schwach."
Du klickst auf den Antagonisten. Sein Knoten ist klein — vier Szenen. Sein "Co-Stars"-Profil zeigt: er teilt sich nur Szenen mit der Hauptfigur, aber mit niemand sonst aus dem Ensemble. Das erklärt sein "Vakuum"-Gefühl. Du planst zwei Szenen ein, in denen er mit Marcus oder Anna interagiert — er bekommt einen Platz im Netzwerk, wird "echt".
"Ich plane eine neue Figur und überlege, ob ich sie wirklich brauche."
Du gehst zur Matrix und schaust dir die existierenden Verbindungen an. Welche Figuren tauchen häufig zusammen auf? Wo sind die Lücken in der Matrix? Wenn du eine neue Figur einführst, sollst du sie strategisch in einer dieser Lücken anlegen — sodass sie eine Funktion hat, die noch nicht abgedeckt ist.
Wo Word, Scrivener und Papyrus nicht hinkommen
Word kennt deine Figuren nicht. Punkt. Du hast eine Liste in einem Word-Dokument oder auf Karteikarten, aber sie ist nicht mit deinem Manuskript verbunden.
Scrivener hat keine Beziehungs-Visualisierung. Du kannst Charaktere als Dokumente anlegen, mit Notizen versehen, aber ein Netzwerk gibt es nicht.
Papyrus Autor hat eine Beziehungsfunktion in der Figurendatenbank — aber als Liste, nicht als Graph. Und sie ist manuell — Papyrus weiß nicht, wer mit wem auf der Bühne steht.
Generische Mindmap-Tools (MindMeister, Xmind, Obsidian Graph) geben dir einen Graph, aber ohne Romankontext. Sie wissen nicht, dass eine Figur in 23 Szenen vorkommt, sie kennen keinen POV, sie können dir keine Silent Stretches zeigen.
Das Figuren-Netzwerk in Novumdraft kombiniert beides: visuelle Graph-Logik plus Wissen über deinen Roman.
Was das Netzwerk (noch) nicht kann
Damit nichts überversprochen wird:
-
Beziehungen sind nicht zeitlich versioniert. Wenn Anna und Bob in Kapitel 1 befreundet sind und ab Kapitel 12 verfeindet, kannst du derzeit nur eine der beiden Beziehungen anzeigen. Eine Zeitleisten-Funktion für Beziehungs-Veränderungen ist denkbar, aber nicht eingebaut.
-
Filter sind sparsam: Du kannst gemeinsame-Szenen-Linien ein- und ausblenden. Aber du kannst nicht filtern auf "nur Familienbeziehungen" oder "nur Figuren in Akt 2". Wer ein vielschichtigeres Filtersystem braucht, muss sich behelfen, indem er mit der Liste arbeitet.
-
Es gibt keine Zentralitäts-Metriken (wer ist die "wichtigste" Figur im Sinn der Graph-Theorie). Wir haben uns gegen das Eingebung von Pseudo-Wissenschaft entschieden — die Gewichtung deines Ensembles ist eine erzählerische Entscheidung, keine algorithmische.
-
Sehr große Ensembles (über 200 Figuren) werden nicht so flüssig dargestellt wie Ensembles von 30-50. Wer eine epische Saga mit hunderten benannten Figuren schreibt, sollte vom Netzwerk wenig erwarten — es ist für das übliche Roman-Ensemble konstruiert, nicht für Krieg und Frieden.
Wie du anfängst
Das Netzwerk braucht keine Vorbereitung — es füllt sich, während du schreibst. Konkret:
- Leg ein paar Figuren im Codex an. Name, Rolle (Hauptfigur, Antagonistin, Nebenfigur), ein Satz zur Stimme. Das reicht für den Anfang.
- Schreib im Manuskript. Erwähne die Figurennamen wie selbstverständlich.
- Öffne den Tab "Figuren". Du siehst dein Ensemble bereits dargestellt — Knoten in der Größe deiner Auftritte, graue Linien für gemeinsame Szenen.
- Zeichne eine Beziehung ein, wenn dir eine wichtig ist. Rechtsklick auf eine Figur, "Beziehung zu …", wähle eine andere Figur, wähle einen Typ.
- Schau dir die Insights an. POV-Balance, Silent Stretches, Lonely Characters. Mach mit, was sie dir sagen.
Nach drei, vier Sitzungen merkst du: dein Ensemble fühlt sich nicht mehr nebulös an. Du hast es vor dir.
Datenschutz
Dein Ensemble bleibt deins. Wird nicht zum Trainieren von KI-Modellen verwendet. Beziehungs-Daten und Figuren-Daten leben in deinem Romanprojekt; serverseitige Sicherung ist verschlüsselt.
Mehr Details findest du in der Datenschutzerklärung.
In welchen Plänen das Netzwerk enthalten ist
Das Figuren-Netzwerk ist Teil aller Novumdraft-Pläne — Autor und Profi. Alle drei Ansichten (Netzwerk, Matrix, Liste), alle Insights und alle Beziehungs-Typen sind in jedem Plan verfügbar. Es gibt keine separaten Gebühren oder versteckten Limits.
Bereit, dein Ensemble zu sehen?
Starte ein 14-tägiges, kostenloses Testen. Schreib drei oder vier Szenen. Öffne den Figuren-Tab.
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